Donnerstag, 12. Februar 2009

FOSDEM 2009

Dieses Jahr hatte ich beschlossen nicht am Samstag Morgen nach Brüssel zu fliegen, sondern mit Gerold die 600 km mit dem Auto zu fahren. So fuhren wir um 10.30 am Freitag bei ihm zu Hause ab. Die Reise führte uns durch mehrere Ländern Europas (mich führte die Reise von der Schweiz über Deutschland, Frankreich und Luxemburg nach Belgien) und endete etwa 6 Stunden später in der Tiefgarage des Hotels in Brüssels. Nun bliebt ein bisschen Zeit bevor der FOSDEM Beer Event im Delirium Café startet und so verbrachten wir ein paar Minuten liegend im Hotelzimmer. Die freundliche Hilfe einer Hotelangestellten und die mitgegebene Karte führten uns in einer halben Stunde zum Delirium Café. Als wir jedoch in die Gasse einbogen, kamen uns gerade Tom 'spot' Callaway, Max Spevack und Sebastian Dziallas entgeben, die sich auf dem Weg zum Abendessen befanden. Gerold und ich begleiteten sie und so gingen wir erst später zurück zum Bier-Event. Auch wenn man 2500 Bier-Sorten zur Auswahl hat, macht es dies nicht gerade leichter ein passendes auszuwählen und ich hatte das Gefühl, dass mir jedes weitere Bier weniger schmeckte. Zwischenzeitlich machte ich mit Christoph, Andreas und Felix einen Ausflug in die gegenüberliegende Bar und dort genehmigten wir uns zur Abwechslung einen Absint (gewissen Personen schoben am nächsten Morgen den Katen auf dieses Getränk). Als die Zeiger der Uhr schon gegen Mitternacht drehten, schlicht ich mich heimlich davon und ging zurück ins Hotel. 07.00 und der Blackberry meinen Zimmerkameraden machten so einen Lärm, dass so gar ich wach wurde. Zuerst dachte ich, dass ich vergessen hatte, meinen eigene Wecker auszuschalten, aber es hatte alles seine Richtigkeit. Ich schlief noch eine halbe Stunde weiter, um den kleinen Kater zu vertreiben und einem Konflikt im Badezimmer aus dem Weg zu gehen. Nach der Dusche und dem Frühstück war der Kater weg und es bliebt nur noch die Müdigkeit übrig. Wir immer hatten wir unseren Platz neben CentOS. Natürlich war von den Jungs niemand zu sehen und die ersten Fedora Constributors begannen zu witzeln, dass CentOS wieder einmal auf Upstream wartet, bis er fertig ist. Nicht ganz unwahr ;-) . Debian verfolgt an diesen Veranstaltung einen komplett anderen Ansatz als die meisten Projekte. Ihr Stand sah aus, wie ein Kleiderladen und die Haupttätigkeit der Leute dort war, T-Shirts zu verkaufen, was in den ersten Minuten zu einen ziemlichen Ansturm führte. Ich verstehe, dass nicht alle Projekte Sponsoren haben, aber wenn der einzige Grund ist, weshalb ich an eine Veranstaltung gehe, das Verkaufen von T-Shirts ist, stimmt aus meiner Sicht etwas nicht. Wenn ich Kleider will, gehe ich zu C&A oder H&M, aber nicht an eine Linux-Veranstaltung. Es gab eine Liste in Fedora-Projekt-Wiki, wo sich die Leute, welche teilnehmen, eintragen konnten, was sie machen . Dieses Konzept funktioniert leider nicht wirklich, aber da ich mich eingetragen hatte und zur entsprechenden Zeit am Stand war, hatte ich keine Skrupel später zu machen, was ich wollte, auch wenn es nicht mehr viele Leute am Stand hatte. Anders als letztes Mal besucht ich dieses Mal doch tatsächlich ein paar Talks. Der erste war von Christoph Wickert über 'RPM Packaging'. Der dev-Room war so voll, dass gewisse Leute stehen mussten. Christoph schient am Anfang etwas nervös, aber schon nach wenigen Minuten blühte er auf und meisterte die Sache suverän. Später verfolgte ich den Sugar-Talk von Tomeu Vizoso und zum Abschluss besuchte ich Greg DeKoenigsberg, der über Bildung im Allgemeinen angelehnt an OpenSource sprach. Vielen Lehrern hätten seine Ausführungen nicht gefallen, aber leider wird er wohl Recht haben. Im Gegensatz zum LinuxTag sind die Abende in Brüssel eher erholsam, da nichts organisiert ist. Am Abend verstreuen sich die Leute und es ist ziemlich schwierig jemanden zu finden, denn gewisse gehen nach dem Essen wieder zurück ins Hotel und andere sind noch am Essen, und so weiter und so fort. Da Gerold und ich keine Lust mehr hatten, weiter nach anderen Leute in blauen Poloshirts Ausschau zu halten, gingen wir wieder ins Hotel zurück. Es war noch praktisch, denn so konnte ich den Rückstand mit dem Hinausfladen der Sugar Activities aufholen. Da die Internet-Verbindung alles andere als schnell war, zog sich diese Arbeit fast bis um Mitternacht fort. So bleiben jedoch noch fast sieben Stunden zum Schlafen. Der Sonntag dauerte für mich an der FOSDEM nur wenige Stunden, so etwa fünf. Die erste Tat war die Teilnahme am Talk von Fabian Arrotin von CentOS. Hat mich persönlich nicht aus den Socken gehauen, denn diese Story erzählt CentOS schon länger ;-) . Für das Keysigning war es wir zu kalt und so nahm ich am CAcert-Event teil. Irgendwie musste ich ja von meinen Status als 'Certified CAcert Assurer' Gebrauch machen. Es war das erste Mal, dass sich ein Assurer wiegerte mich zu assuren, da ich nur einen Ausweis zeigte. Die Begründung war, dass er die Ausweise gegeneinander vergleiche. Da ist eines der dünnsten Argumente, welches ich je gehört haben. Ich besitze einen Pass und eine ID. Beide mit dem gleichen Ausstellungsdatum, dem gleichen Foto, von der gleichen Behörde ausgestellt und den gleichen Daten, also gibt es da nicht viel zu vergleichen, ausser der formellen Ausführung. Ebenfalls lässt sich aus meiner Sicht ein 15 Jahre altes Ausweisdokument auch nur beschränkt mit einem akutellen vergleichen, da sich die Menschen in den Jahren visuell verändert und die formale Darstellung der Daten sich auch ändert hat. Es ist insofern interessant, weil Keysigning mit einem Ausweis funktioniert. Am Ende kann jeder Assurer selber entscheiden, was er tun möchte und was nicht. Und so repektiere ich seine Entscheidung, weil er eine "Linie" hat. Ebenfalls interessierte es mich, wie viele Punkte man kriegt für einen Ausweis. Fazit: das ist sehr unterschiedlich :-D. Ein Problem ist jedoch, der zweite (oder auch noch der dritte und vierte Vorname). Nach dem späten Mittagessen mit Max, Gerold und Jeroen, welches auch noch gerade als Fedora EMEA Board Meeting herhalten musste, machten Gerold und ich uns wieder auf dem Rückweg. Der Wegfall der Grenzkontrollen in Europa machen das Reisen bedeutend angenehmen als früher. Erstaunlicherweise zeugen aber die Gebäude an der Autobahn immer noch von den früheren Kontrollen, ich hätte gedacht, dass die in der Zwischenzeit alle verschwunden sind. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die FOSDEM immer wieder eine Reise wert ist, auch wenn die Infrastruktur am Austragungsort extrem schlecht ist. Die meisten dev-Rooms haben keine Fenster und keine Belüftung (daraus resultiert eine brutale Hitze), die Tische in den Gängen sind zu breit, die sanitären Anlagen sind renovationsbedürftig und die ganze Umfeld etwas 'siffig'. So ist es halt und kritisiert ist immer schnell. Die FOSDEM- Stuff verfolgt ein bisschen eine eigenartige Strategie mit den Getränke-Automaten, sie werden vom Stromnetz getrennt und als 'defekt' angeschrieben. Der Joghurt-Drink-Automat vis-à-vis von unserem Stand konnten wir jedoch retten, denn sonst hätten die Studenten am Montag alle gekotzt nach dem Genuss eines Getränken aus diesem, denn zwei Tage ohne Kühlung hätte der Inhalt wohl nicht überstanden. Wieder einmal hat das WLAN an einer Veranstaltung nicht richtig funktioniert, was zeitweise etwas mühsam war. Die FOSDEM kann sich da in eine lange Reihe von Veranstaltungen einreihen, wo es so war. Es war sehr praktisch, dass ich mal die Leute, welche sich innerhalb von Sugarlab engagieren getroffen habe, auch wenn ich mich nur kurz mit jedem von ihnen unterhalten habe. Nun weiss ich von ihnen, wie die Gesichter aussehen, welche sich hinter den Nicks und E-Mail-Adressen verbergen. Da leider python-olpcgames immer noch fehlt, konnte mit SoaS nicht voll aufgetrumpft werden. Es gab jedoch viele Leute, welche sich einen Stick machen liessen.

Kommentare:

Felix hat gesagt…

Tut mir ja leid, dass ich nicht so ein erfahrener Fedora-Trinker bin :-)
Aber Übung macht den Meister und hoffentlich können wir dann am LinuxTag meine Leistung noch verbessern :D
Aber deine Kritik kann ich weitesgehend so unterschreiben.

cwickert hat gesagt…

Ja, das hast du ganz richtig erkannt, ich war nervös bei meinem Vortrag. Erstens, weil er doch mehr Leute waren, als ich gedacht hatte, vor allem mehr Nicht-Fedora Leute, zweitens, weil ich auf Felix' Laptop doch ganz schön improvisieren musste und drittens konnte ich mich nur schwr konzentrieren, weil von Flur her eine Menge Lärm kam. Tür zumachen ging aber auch nicht, sonst wären wir alle erstickt.

Anyway: War eine gute Erfahrung, und kann ja nur besser werden. :)